Bandscheibenvorfall
Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden …
von Ingrid Lausund

 

Pressestimmen

 

NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, Montag 21.07.2008

Ein beeindruckendes Gastspiel bot das Nürnberger Semiprofi-Ensemble «Spin Off» mit seiner bitterbösen, unter die Haut gehenden Bürosatire«Bandscheibenvorfail». Das Finale wurde nur durch den einsetzenden Regen leicht getrübt. Das vierköpfige Ensemble spielte mit vollem Körpereinsatz und überzeugender Mimik, die Typologie war breit angelegt. Von der toughen Bürolady bis zur guten Büro-Seele, vom zynischen Witzbold bis zum absoluten Versagertyp, der die eigene Familie als Überich stets dabei hatte: freches Gänsehaut-Theater, dem zu Recht heftig applaudiert wurde.

Hans von Draminski

Link: http://www.nn-peg.de/artikel.asp?art=853092&kat=14&man=2

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FÜRTHER NACHRICHTEN, Montag 25.02.2008

Schaulaufen im Büro

Bagaasch: Tragikomischer «Bandscheibenvorfall»

Das Nürnberger Spin Off Theater feierte mit der Bürosatire «Bandscheibenvorfall» in der Inszenierung Frank Strobelts Premiere in der Fürther Bagaasch.

«Auf die Plätze, fertig, los! Wer kriegt den letzten Stuhl?» Was auf den ersten Blick wie ein heiteres Gesellschaftsspiel erscheint, entpuppt sich nach und nach als bitterböse Wirklichkeit in einem Großraumbüro. Dieser «Bandscheibenvorfall» - Untertitel: «Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden» - aus der Feder der Ingolstädter Autorin Ingrid Lausund ist beileibe kein Vortrag über körperliche Unzulänglichkeiten, nein, es dreht sich um innere Haltungsschäden. Es mangelt den vier Angestellten, die im Vorzimmer des Chefs auf ihren Auftritt warten, an Rückgrat.

Da helfen auch alle Vorbereitungen nichts; nicht das Proben vor dem Spiegel, nicht die durchorganisierte Choreografie, um den richtigen Eindruck zu hinterlassen; auch nicht die Intrigen und Hinterhältigkeiten, mit denen man die lieben Kollegen außer Gefecht setzen möchte. Egal ob Siegertyp oder Karrierefrau, ob typischer Verlierer oder So-als-ob-Perfektionistin, der unsichtbare, aber stets präsente «Boss» kriegt sie alle klein.
Oberflächlich gesehen, sind es die alltäglichen Abläufe im menschlichen Miteinander eines Betriebes. Doch darunter brodelt es gewaltig.
 
Die beeindruckende Inszenierung Frank Strobelts, der zugleich gekonnt den immer lächelnden, selbstsicheren Macho darstellt, taucht tief in die seelischen Abgründe des Einzelnen. Es ist nicht nur der Kampf um den Aufstieg, es sind die vielen kleinen Machtkämpfe, mit denen man sich das Leben schwer macht und die alle an den Rand der Verzweiflung treiben - bis es schließlich allen zu viel wird. Gemeinsam versucht man, sich gegen den übermächtigen Boss zur Wehr zu setzen und zugleich für sich das Beste herauszuholen. Da lügen und intrigieren sie weiter, während sie nach außen selbstverständlich Solidarität heucheln.

Diese Erfahrung muss vor allem Herr Kruse machen. Von allen gemobbt und belächelt, akzeptiert er seine von den Kollegen vorgegebene Rolle so perfekt, dass er sich selbst als nicht vorhanden ansieht. Mit diesem «Nichtvorhandensein» versucht er, die ständigen Kränkungen zu überspielen. Kord Pankoke spielt den Loser so eindringlich, dass mancher Zuschauer sich selbst wiedererkennt.

Aber nicht nur Kruse ist eigentlich ein Nichts. Auch Karrierefrau Schmitt (Susanne Alt), obwohl sexy und ständig in Versuchung, die anderen auszustechen, funktioniert nur noch äußerlich, während sich die ängstliche, gleichzeitig um Perfektion bemühte Frau Kristensen (Tatjana Sieber) in eine esoterische Scheinwelt flüchtet. Doch während sich alle ihre kleinen Eigenheiten, zahlreichen Unzulänglichkeiten zum Trotz, bewahrt haben, hat Strobelt in der Rolle des immer strahlenden Kretzky seine Persönlichkeit längst aufgegeben zu Gunsten von Macht, Geld, Anerkennung.

Die Schlussmonologe der vier am Boden zerstörten Angestellten gehen unter die Haut. Zwar ist man geneigt, nach ihrem versuchten Aufstand und der endlich errungenen Gemeinsamkeit an ein Happy-End zu glauben. Doch wie lang der Scheinfrieden erhalten bleibt, kann wohl jeder der begeisterten Zuschauer erraten.

Ursula Svoboda

Link: http://www.fuerther-nachrichten.de/artikel.asp?art=775910&kat=50&man=5

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NÜRNBERGER NACHRICHTEN, Mittwoch 20.02.2008

Spin Off Theater präsentiert "Bandscheibenvorfall"

FÜRTH - Ein Fall nur für Orthopäden? Nicht ganz. «Bandscheibenvorfall» ist der Titel einer Bürosatire, in der vier Angestellte im Vorzimmer des Chefs die Wartezeit mit Machtkämpfchen und Intrigen überbrücken.

Das Nürnberger Spin Off Theater präsentiert das Stück der Ingolstädter Autorin Ingrid Lausund, dessen Premiere am Samstag in der Fürther Bagaasch ist. Die FN sprachen mit «Spin Off»-Chef, Regisseur und Darsteller Frank Strobelt. Der 42-Jährige, im Hauptberuf Ingenieur bei Siemens, trat als Schauspieler mehrfach mit der Pocket Opera Company auf, unter anderem in den - auch in Fürth gezeigten - Produktionen «One Charming Night» und «Zwischen Sehnsucht und Mitternacht».

«Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden» ist der Untertitel des Stückes. Da lacht der Mediziner, oder?

Strobelt: Hoffentlich nicht nur der. Gemeint sind die inneren Haltungsschäden, die wir alle in der modernen Bürowelt erleiden. Wir machen uns krumm, um nach oben zu kommen. Und wir scheuen uns nicht, uns zu verbiegen, wenn es uns nützt.

Wie würden Sie den Humor charakterisieren, der in «Bandscheibenvorfall» steckt?

Strobelt: Es ist eher ein schwarzer. Ein bisschen erinnert er an die Fernsehserie «Stromberg» mit Christoph Maria Herbst. Ein Kritiker schrieb, «Bandscheibenvorfall» pendele irgendwo zwischen Loriot und Helge Schneider, zwischen witzig und surreal. Andererseits gibt es zum Schluss die inneren Monologe der vier Figuren. Die finde ich eher ernst. Gerade in den Schlussszenen erkennt man nämlich plötzlich, dass hinter diesen Fassaden Persönlichkeiten stecken.

Kommen einem beim Inszenieren einer Bürosatire auch eigene Erfahrungen zugute?

Strobelt: Komischerweise gar nicht. Es mag sein, dass sich richtige Schauspieler ein Büro so vorstellen, wie die Autorin es beschreibt. Ich kann nur sagen, meistens wäre es schön, wenn es tatsächlich im Büro so lustig zugehen würde. Der reale Alltag in einem Großunternehmen läuft aber viel trockener ab. Wenn es Intrigen gibt, dann auf einer viel subtileren Ebene als hier auf der Bühne. Meine persönliche Erfahrung mit dem Büroalltag ist: Der Ton ist zweifellos härter geworden. Jungmanager kommen ja nur noch durch Sprechblasen und Power- Point-Präsentationen weiter.

Was hat Sie bewogen, dieses Stück zu inszenieren?

Strobelt: Mir lag ein Leseexemplar vor, und irgendetwas daran gefiel mir spontan. Ich glaube, es war das Absurde, das Surreale. Genau das reizte mich, dann das ist viel schwieriger, als auf der Bühne eine Geschichte zu erzählen. Dann habe ich mir das Stück in Karlsruhe angeschaut. Dort versuchte man, die aberwitzigen Regieanweisungen der Autorin eins zu eins umzusetzen. Da steht dann zum Beispiel: «Frau Christensen fängt an, ihr Gesicht aufzuessen.» Ich dachte mir, okay, so wörtlich kann das nicht gemeint sein. Wir müssen das witziger machen. Außerdem müssen wir bedenken, dass wir ein semiprofessionelles Ensemble sind, keine Vollprofis.

Das Spin Off Theater kommt aus Nürnberg, die Premiere findet aber in Fürth statt. Warum?

Strobelt: Weil wir die BagaaschLeute ganz gut kennen und der Raum seinen ganz eigenen Charme hat. Außerdem können wir in der Bagaasch gut über einen längeren Zeitraum proben. Im Loni-Übler-Haus, das gewissermaßen unser Stammsitz ist, müssen wir nach jeder Probe alles wieder abbauen. In Fürth müssen wir das nicht. Das ist natürlich sehr praktisch.

Um den aufrechten Gang geht es in «Bandscheibenvorfall». Nach den aktuellen Vorfällen in Sachen Steuerhinterziehung eigentlich ein Stück von erfrischender Aktualität. Lassen Sie das auch einfließen in Ihre Inszenierung?

Strobelt: Einen konkreten politischen Bezug hat unsere Produktion nicht. Es geht uns mehr um die einzelnen Leute, um den kleinen Büro-Kosmos. Mir ist es lieber, das Stück behält eine zeitlose Note, anstatt dass man mühsam Aktualitätsbezüge herstellt.

"Bandscheibenvorfall - Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden", von Ingrid Lausund, Premiere: Samstag, Fürther Bagaasch, Lange Straße 81, 20 Uhr, 11/9 Euro, Ticket-Tel. 70 85 83. Weitere Termine: 29. Februar, 1. März (jeweils 10/8 Euro).

Matthias Boll

Link: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=773786&kat=48&man=5

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MAFFEI-SPIELE, AUERBACH 2008

"Ein beeindruckendes Gastspiel bot das Nürnberger Semiprofi-Ensemble «Spin Off» mit seiner bitterbösen, unter die Haut gehenden Bürosatire «Bandscheibenvorfall». Das Finale wurde nur durch den einsetzenden Regen leicht getrübt. Das vierköpfige Ensemble spielte mit vollem Körpereinsatz und überzeugender Mimik, die Typologie war breit angelegt. Von der toughen Bürolady bis zur guten Büro-Seele, vom zynischen Witzbold bis zum absoluten Versagertyp, der die eigene Familie als Überich stets dabei hatte: freches Gänsehaut-Theater, dem zu Recht heftig applaudiert wurde. "

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