Central Park West
von Woody Allen

 

Pressestimmen

 

NÜRNBERGER ZEITUNG, Montag 12.03.2007

Woody Allens "Central Park West"

Zyniker im Martini-Rausch

Wer in New York mit Blick auf den Central Park wohnt, hat es geschafft, weshalb Central Park West eine unschlagbare Adresse ist: Bono hat dort eine Wohnung, John Lennon hat dort gelebt und Yoko Ono tut es noch. Der Blick ins Grüne ist ein Indikator für den beruflichen Erfolg – doch noch lange nicht für ein erfolgreiches Privatleben. Schon gar nicht, wenn Woody Allen seine Finger im Spiel hat. «Central Park West» ist einer der Einakter seiner New-York-Trilogie, mit allen Zutaten, die ein Stück über diese Stadt von einem Autor wie Allen erwarten lässt.

Psychoanalyse und Neurosen, Paare in aussichtslosen Beziehungen, eine gehörige Portion Zynismus, dazu Männer in der Midlife-Crisis . . . Das Nürnberger Spin-Off-Theater, das letztes Jahr mit «Riverside Drive», einem anderen Einakter der Trilogie, erfolgreich war, hatte am Samstag im Tassilo Theater Premiere mit «Central Park West». Die Analytikerin Phyllis (Vera Mickenbecker), zynisch und im Martini-Rausch, hat gerade erfahren, dass ihr Mann Sam (Björn Ballbach) sie mit ihrer Freundin Carol (Victoria Kaller) betrügt. Nun hat er sie verlassen. Carol, verheiratet mit dem erfolglosen Schriftsteller Howard (Kord Pannkoke), sieht mit Ende Dreißig in Sam ihre letzte Chance – für die Liebe und das Prestige.

Nach und nach versammeln sich alle in Phyllis‘ Appartement: Die Analytikerin desillusioniert und gemein, Carol voller Hoffnung und Küchenpsychologie. Dazu der manisch-depressive Howard, den Kord Pannkoke zur sympathischsten Figur des Abends macht: Ein resignierter Cordhosenträger mit einer Körperhaltung, die die Last des menschlichen Lebens demonstriert: Das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, die Angst vor der Einsamkeit, das berufliche Scheitern. Der Manische sprudelt über vor Ideen und Energie, glaubt an sich, das Leben, die Liebe und die Zukunft. Und das alles in 75 Minuten: Mehr Tiefe und mehr Höhen als Howard trägt keine Figur in sich.

Endlich kommt auch noch Sam in die Luxuswohnung seiner Frau. Eitel und egozentrisch wie er ist, erträgt er ihren Erfolg nicht. Er will sich beweisen, dass er noch ein toller Hecht ist – vielmehr will es Phyllis beweisen. Carols Feststellung: «Die Menschen sind nicht böse, sie sind nur lächerlich», trifft auf den arroganten Anwalt in der Midlifecrisis vielleicht am meisten zu.

Ein kurzweiliger Theaterabend, mit einem engagierten Laienensemble, das mit der Inszenierung von Frank Strobelt noch in verschiedenen Theatern der Region gastiert. Und auch wenn Central Park West unerreichbar erscheint: Die Beziehungsprobleme verbinden alle Schichten, Männer und Frauen, New York und Nürnberg, Theater und Alltag: «Wir haben alle dringend ein neues Leben nötig», weiß Carol. Und doch wird sie in ihr altes zurückkehren, wie wir alle. Weil es kein anderes gibt.

Elke Schnabel

© NÜRNBERGER ZEITUNG

 

NÜRNBERGER NACHRICHTEN, Montag 12.03.2007

Neurosen in New York
"Spin Off Theater" präsentierte Woody-Allen-Stück im Tassilo

Nach «Riverside Drive» bringt das Nürnberger Amateur-Ensemble «Spin Off Theater» ein weiteres Woody- Allen-Stück auf die Bühne: Die neurotische Upper-Class-Komödie «Central Park West» sorgte beim Publikum im ausverkauften Tassilo Theater für ausgelassene Stimmung.

Eigentlich sind sie ein Paar mit den besten Voraussetzungen zum Zufriedensein. Psychiaterin Phyllis und Anwalt Sam haben alles, was das Herz eines New Yorkers begehrt: Doppeltes Einkommen, keine kostspieligen oder nervenden Kinder, dafür jede Menge Zeit, um Spleens zu entwickeln und diese mit den Freunden im gediegenen Ambiente ihrer Wohnung am Central Park zu besprechen.

Als die naive Carol zur Tür hereinschneit, steht Ärger ins Haus: Phyllis hat den Braten endlich gerochen: Ihre angeblich beste Freundin hat ein Verhältnis mit Möchtegern-Casanova Sam. Man stärkt sich mit ein paar Martinis aus Ikea-Plastikbechern, dann kommt die Wahrheit auf den Tisch – und der Zickenkrieg ist vorprogrammiert! Dass Carols Ehemann Howard, ein gescheiterter Drehbuchschreiber, nach kurzer Zeit ebenfalls auf der Bildfläche erscheint, macht das Chaos dann perfekt.

Regisseur Frank Strobelt inszeniert die hintergründige Persiflage aus der Feder des bekannten Stadtneurotikers Woody Allen als witzigen, aber doch eindimensionalen Boulevard. Vor allem die boshaft-analytischen Repliken von Phyllis verpuffen im ersten Teil ungehört. Erst als der wunderbare Kord Pannkoke als manisch-depressiver Howard über die Bühne wirbelt, schwingt der Geist des jüdischen New Yorker Großmeisters Allen mit.

Allens Alter Ego

Howard, sein Alter Ego, wird so zum unbestrittenen Mittelpunkt der Geschichte, die mit dem Eintreffen Sams und seiner neuen Freundin Juliet einen weiteren Höhepunkt zu bieten gehabt hätte. Dennoch: Das Publikum im Tassilo-Theater honorierte den amüsanten Abend der Laienspielgruppe mit großem Applaus.

Susanne Ziegler

© NÜRNBERGER NACHRICHTEN

 

NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, Dienstag 08.05.2007

Beziehungs-Wirrwarr voll Witz
Das Nürnberger Spinn-Off-Theater gefiel mit Woody Allens «Central Park West»

Warum tut man sich das eigentlich an? Schaut sich immer wieder mal ein Stück von Woody Allen an, taucht ein in diesen ganz eigenen Kosmos, der bevölkert ist von den erfolgreichen Durchgeknallten und ihren erfolglosen intellektuellen Maskottchen? All die bizarren oder vielleicht doch nur banalen Beziehungsprobleme, wie sie das Spin-Off-Theater im Jungen Theater Forchheim auf die Bühne brachte.

Allein um alle Abstufungen von Plemplem in dem Stück «Central Park West» richtig verorten zu können, muss man wahrscheinlich zumindest das Grundstudium Psychologie erfolgreich hinter sich gebracht haben. Eine Teilantwort auf die Eingangs-Frage könnte lauten: man schaut sich sowas immer wieder mal gerne an, weil man in den Dialogen Sätze wie diesen serviert bekommt: «Du brauchst deine Elektroschocks Howard. Warum leckst du nicht die Finger nass und steckst sie in die Steckdose?» Oder: «Ich dachte anfangs, sein Mangel an geistiger Stabilität wäre ein Beispiel für literarische Größe – dabei war es nur ganz gewöhnliche Demenz.» Bosheit sehen wir immer gerne in einer Komödie – und wenn sie dazu noch in solche Worte gegossen wird, dann ist beste Unterhaltung garantiert. Mögen uns auch diese ganzen Erfolgreichen aus Oberschichten-New-York da auf der Bühne noch ferner sein als Shakespeares Adelige - regelrechte Aliens in Menschengestalt, gebeamt in ein Luxusklassenappartement – die Firnis der unnahbaren Höhe, die der Erfolg über diese Personen gezogen hat, sie platzt ab und alle beharken sich wie Hinz und Kunz auch. Höchst witzig ist das, weil es in pointierteren Dialogen als bei Hinz und Kunz geschieht. Der Akademikertitel oder Doktor, der schützt dabei vor gar nichts – die greifen genauso zur Flasche wie diejenigen, die ein paar Schichtenstockwerke tiefer in der Gesellschaft ihr Leben fristen. Nur dass bei denen der Frustschluck aus der Pulle nicht «Drink» heißt.

Atemberaubendes Tempo

Das Spin-Off-Theater aus Nürnberg hat im Jungen Theater in Forchheim schon für manchen attraktiven Theaterabend gesorgt und Frank Strobelts Inszenierung von Woody Allens «Central Park West» setzt da eine gute Tradition in angenehmster Weise fort. Vera Mickenbecker gibt die Powerfrau. Diese erfolgreiche Psychiaterin Phyllis lässt gleichwohl alle Selbstkontrolle und Distanz zum Gegenstand fahren in ihrem in atemberaubenden Tempo vorgetragenen Wortgefecht mit ihrer Freundin Carol. Die legt Victoria Kaller als jemanden an, der sich schon mal überfordert fühlt, wenn es gerade passt, und das auch mit hochfrequentem Gekreische kundtut. Dass diese Carol kein naiv-unschuldiger Vollweibgegenentwurf zu Phyllis ist, wird klar, als sie ausbreitet, mit wem sie es schon… - und da kommt eine respektable Liste zusammen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt sich die Kaller folgerichtig zurück. Ihre Hintergrundszene, als sie mit einer Pistole pantomimisch in Amokläuferallmacht schwelgt, ist gleichwohl grandios.

Phyllis’ Ehemann Sam (Björn Ballbach) will mit Carol durchbrennen – zumindest denkt die das. Doch bei der Sache haben noch weitere Personen ein Wörtchen mitzureden. Da ist der von Kord Pannkoke herrlich gespielte manisch-depressive Howard, der mit seinen Schüben die Gesellschaft gewaltig aufmischt, und Juliet (Susanne Alt), knappe 20, die neue Favoritin des fast 50-jährigen Sam.

Björn Ballbach spielt diesen Typen so, dass man nicht recht weiß, was jemand an so einem Durchschnittsheini überhaupt finden kann – was einen versteckten wie gelungenen Kommentar zur in extenso vorgetragenen Erfolgsliste des Fraueneroberers darstellt. Das Stück endet damit, dass Sam versehentlich in den Allerwertesten geballert wird – oder, um mit Phyllis zu sprechen: «Sie hat dir in den Arsch geschossen. Man nennt sowas auch Ablehnung.»

Das Spin-Off-Theater bringt vor einer gelungen kargen Kulisse aus einigen weißen Quadern eine witzige Aufführung in hohem Tempo auf die Bühne. Zu kritisieren gäbe es da lediglich eine bei diesem renommierten Ensemble auffällige Häufung von Versprechern in der ersten Hälfte. Ansonsten zeigte sich das Ensemble spielfreudig und unterhaltsam – Vera Mickenbecker und der herrliche Kord Pannkoke ragten aus einer guten Truppe noch hervor.

Alexander J. Wahl

Link zum Artikel: http://www.nn-forchheim.de/artikel.asp?art=642766&kat=51&man=6

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