EiferSucht
Drama für drei Faxmaschinen
von Esther Vilar

Pressestimmen
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NÜRNBERGER NACHRICHTEN VOM 18.01.2005

„Von Racheplänen und Gefühlsduellen“
Neues vom Spin-off-Theater

Lazlo ist ein Schwerenöter mit leichtem Bauchansatz. Er beträgt erst seine Ehefrau, dann seine Geliebte. Pikant: Alle drei Frauen bekommen schließlich von der jeweils anderen Wind und schreiben sich Faxe – wütende, emotionale, verzweifelte, argumentative. Ein „Eifersuchtsdrama zwischen drei Faxmaschinen“ entspinnt sich. Soweit die Handlung des Stücks „Sind Männer doch nur Trophäen?“ von Esther Vilar, das das Spin-off-Theater unter der Regie von Victoria Kaller im „KECK“ zur Premiere brachte. Gelacht wird viel. Die meiste Zeit lauscht man jedoch. gefangen genommen von der Intention des Stücks und den Leistungen der drei Darstellerinnen. Maria-Theresia Rupp (die betrogene Ehefrau Helen) wirft mit Möbeln, Worten, Gefühlen und Ausdruck so gekonnt um sich, dass man am liebsten sofort mit ihr Rachepläne schmieden würde. Britta Papenberg (die betrogene Geliebte Yana) liefert sich beeindruckende Wort- und Gefühlsduelle mit ihrer „Vorgängerin“. Ihr in den Wermut geheulter Liebeskummer wirkt so echt, dass man ringsum Frauen wie Männer verständnisvoll nicken sieht. Und Ursula Hähner überzeugt als blässliche Indologie-Studentin Iris, die bloß nicht anecken will. Als der untreue Ehemann zu seiner Frau zurückkehrt, hat Helen zwar im Kampf um den Mann gesiegt, fragt sich aber augenzwinkernd, ob der ganze Aufwand für dieses Steaks verschlingende Exemplar nötig war. Das Publikum spendet lange Beifall, wohl auch wegen des Wiedererkennungseffekts.
(asc)


FÜRTHER NACHRICHTEN VOM 14.02.2005

„Eifersucht per Faxgerät“
Rasantes Spiel des Spin-off-Theaters in der Bagaasch

Vor Eifersucht, diesem grünen Monster, sei niemand gefeit, erkannte schon Sigmund Freud. Zahllose Straftaten und Morde wurden durch sie provoziert. Kriminalisten gehen gar davon aus, dass hinter jedem vierten Tötungsdelikt als Motiv die Eifersucht steckt. Angeblich leiden drei Viertel der Deutschen daran. Ihnen widmete Esther Vilar ihr „Drama für drei Faxmaschinen“. Das Nürnberger Spin-off-Theater zeigte das Stück äußerst knackig auf der Bagaasch-Bühne.
Mit ihrem ersten Buch „Der dressierte Mann“ brachte Vilar 1971 die Feministinnen in Rage. Nicht der Mann beute die Frau aus, schrieb sie, sondern genau das Gegenteil sei der Fall. „Eifersucht“ dagegen das 1999 entstandene Drama, dürfte die Zustimmung der Post-Feministinnen finden.

Keine Frauengruppe

Zwar gründen die Leidenden keine Frauengruppe, aber sie entdecken Gemeinsamkeiten. Erzählt wird in klassischer Einheit des Ortes eine herrlich doppelbödige Geschichte, die sich in einem Hochhaus zuträgt. Darin verwickelt sind vier Personen, davon drei auf der Bühne sichtbar, und drei Faxgeräte. Das unsichtbare und omnipräsente Objekt der Begierde: Lazlo, ein erfolgreicher Anwalt Mitte 50. Er ist glücklich mit Top-Juristin Helen, Ende 40, verheiratet.

Da taucht die Architektin Yana Stern auf, ein echtes Biest, das Lazlo für sich gewinnen will. Per Fax fordert sie ihre „natürlichen Rechte“ als die Jüngere ein und drangsaliert Helen. Da Yana das Haus mitgebaut hat, kennt sie all seine Geheimnisse und schickt die Betrogene in ein Kämmerchen. Von hier aus kann Helen wie in einer Peep-Show die Untreue ihres Gatten beobachten.
Die Ehefrau gibt verzweifelt auf und verfolgt täglich voller Selbstqual die Liebesspiele. Doch die Strafe folgt auf dem Fuß. Yana verliert Lazlo wiederum an eine Jüngere, nämlich an die Buddhismus begeisterte, 29-jährige Studentin Iris.

Drei Generationen

Drei Frauen, drei Generationen und eine fatale Gemeinsamkeit: Per Fax halten sie sich auf dem Laufenden. Wunderbar, wie die wortgewandte Helen (dargestellt von Maria-Theresia Rupp) ihre Gefühle auf der Bühne auslebt, ihre Verlassenheit, ihre Wut, ihren Zynismus. Wie sie sich erniedrigt, schließlich aber entschieden gegen ihre beiden Rivalinnen kämpft – und den Sieg davonträgt.
Doch auch die zickige Yana als Biest vom Dienst (Britta Papenberg) zeigt eine reife Leistung. Ursula Hähner hat als Studentin Iris die undankbarste Rolle übernommen, sorgt aber mit heiteren Effekten und einer luziden Spielweise für Spaß. Regisseurin Victoria Kaller hält geschickt die leichten und schweren Elemente des Stücks in der Balance, indem sie kein Boulevard daraus macht, aber auch keinen Shakespeare. Die kleine Bagaasch-Bühne bleibt mit zwei Schreibtischen und einem Bett sparsam ausgestattet.

Brutale Wahrheiten

Zugegeben: Die Vilar-Story klingt zunächst wenig aufregend. Wenn dann aber ganz nebenher so brutale Wahrheiten ausgesprochen werden, sind beide Geschlechter berührt. Oder stimmt es etwa nicht, wenn Helen erkennt: „Wer erzählt diesen älteren Herren, wie anziehend graue Schläfen wirken? Wer sagt ihnen, dass ihr Fettwanst erotisch ist und dass es auf ein bisschen Potenz mehr oder weniger nicht ankommt? Wir. Nicht unsere ergrauenden Männer schieben uns auf das berühmte Abstellgleis. Das besorgen wir schon selber.“
Recht hat sie. Solche feinsinnigen Bosheiten machen Vilar zur Weltklasse-Autorin und da die Spin-off-Frauen diese Bosheiten so gekonnt zu akzentuieren wissen, war das Publikum der ausverkauften Bagaasch auch restlos begeistert.
CLAUDIA SCHULLER


NORDBAYRISCHE NACHRICHTEN FORCHHEIM VOM 21.02.2005

„Aus Faxgeräten quillt das Gefühlsleben“
Spin-off-Theater Nürnberg zeigt „EiferSucht“ von Esther Vilar in Forchheim

Das Murmeltier ist es nicht, das hier täglich grüßt. Stattdessen sind es die Walzen der Faxmaschinen, die beständig ihre Fracht hinausschieben, sind es die Faxmodems, die beständig quieken und quäken. „Ein Drama für drei Faxmaschinen“ ist Esther Vilars Theaterstück „EiferSucht“ untertitelt. Der Großbuchstabe ist Programm: denn sie „große Emotion“ Eifersucht, sie entfaltet Suchtpotenzial in diesem Drama um drei Frauen, wird zum Selbstzweck in einem Geschehen, bei dem der auf der Bühne nie erscheinende Mann am Schluss lediglich zur schalten „Trophäe“ wird.

Die Bühne ist stets geteilt, Ort des Geschehens ist einer dieser modernen Karnickelbatterien, ein riesiger Tower mit über 600 Wohnungen. Rot und blau eingefärbt sind die beiden Seiten des Bühnenhintergrunds, sie zeigen eine Großstadtlandschaft. Fast gleich symmetrisch wie die Bühnendekoration ist das im ersten Teil an beiden Bühnen enden aufgestellte Mobiliar: ein Tisch, ein Stuhl, ein Bürocontainer, ein Fax.
Die Wohnung vor dem roten Hintergrund gehört Helen (Maria-Theresia Rupp), 49, erfolgreiche Anwältin, verheiratet mit Laszlo. Die Wohnung vor dem blauen Ausblick gehört Yana (Britta Papenberg), 39, erfolgreiche Architektin, Geliebte von Laszlo. Mit dem ersten Fax Yanas an Helen, in dem sie die Ehefrau bittet, den Mann freizugeben, geraten die Dinge ins Rollen. Wobei das Rollen ausschließlich und konsequent über Sprache vermittelt wird. Denn alle Bühnenfiguren kommunizieren ausschließlich über ihre Faxgeräte; von Begegnungen, die sich eigentlich auf Eifersuchtsszenen bei zufälligen Zusammentreffen zum Beispiel im Lift beschränken, erfahren wir nur aus dem Niederschlag in deiner der Faxbotschaften.
Menschen, vornehmlich verschiedenen Geschlechts, und ihre Beziehungen untereinander, sind das Thema, dem sich das Nürnberger Spin-off-Theater in seinem Schaffen –mal von der heiteren, mal von der ernsteren Seite – häufig widmet. Das Stück „EiferSucht“, mit dem das Ensemble diesmal im Jungen Theater gastierte, steht in einer Reihe in der Regel exzellenter Produktionen, mit denen das Spin-off in Forchheim beeindruckte.

Exzellente Schauspielerinnen

Den hohen Erwartungen wurden die Akteure unter der Regie von Victoria Kaller auch dieses Mal gerecht. Denn der größte Pluspunkt des Stücks ist die exzellente Leistung der drei Schauspielerinnen. Da ist die wunderbare Maria-Theresia Rupp, die ihre Rolle als Helen auf der Bühne regelrecht lebt, alle Facetten der Gefühlsachterbahn, von Glück über Schmerz über Hass über Triumph, über den unerwarteten Kitzel an der tief gefühlten Emotion Eifersucht perfekt auf die Bühne bringt.
Ihren kongenialen Konterpart findet sie in Britta Papenberg als Yana, die man anfangs leicht unterschätzt, deren Fähigkeiten neben Maria-Theresia Rupp zu bestehen aber von ihrem Können zeugt.
Die undankbarste Rolle hat eigentlich die Dritte im Spiel. Ursula Hähner, die die 29-hährige Indologie-Studentin Iris spielt, der sich Lazlo zuwendet, nachdem er Yana abgelegt. hat. Ursula Hähner darf leider nur ein arges Dummchen geben, das beständig angelesenen Buddhismus light daherbrabbelt, auf Bewegungen von holzschnittartiger Symbolik beschränkt ist und bei dem von der ersten Minute an vorherzusehen ist, dass die buddhistische Gelassenheit in dem Moment, in dem Lazlo sie verlassen wird, genauso abbröckeln wird, wie es Yanas souveräne Selbstsicherheit tat, als Laszlo sie abservierte.

Das ist die mit Abstand undankbarste wie schwächste Rolle im Stück und die Regie vermehrt die schauspielerischen Chancen nicht eben dadurch, dass man bei den Kleinigkeiten schludert. Ursula Hähner ist schwer geschminkt, um als 29-Jährige durchzugehen. Wenn dann Helen und Yana ganz ernsthaft die „Natürlichkeit“ der Iris rühmen, dann wirkt das unfreiwillig lächerlich.
„EiferSucht“ ist wunderbares Schauspielerinnentheater- sollte man gar nicht vermuten in einem Stück für Faxmaschinen. Doch so originell die Idee anfangs wirkt, nach jeder Kurz- und Kürzestszene das Licht zu löschen, eine Kurzsequenz aus Dave Brubecks „Take Five“, untermalt vom Quieken des Faxmodems einzuspielen, so nervig wird das mit der zeit. „Lasst sie halt endlich einmal spielen“, möchte man auf die Bühne rufen, wenn nach 14 Sekunden Spielzeit schon wieder das Licht verlöscht.
Abgesehen davon wird es ein intensiver Abend, zumal das Stück die für die Autorin typischen knackigen Sentenzen liefert, wie den, dass „ein unverheirateter Mann um die 40 entweder schwul oder schwer neurotisch ist, so dass sich der Aufwand nicht lohnt.“ Oder dass es die Frauen sind, die Männer zu dem machen, was ihnen dann den Schmerz des Verlusts bereitet: „Wir erzählen ihnen doch, dass graue Schläfen anziehen sind, dass ein Fettwanst erotisch ist, dass es auf Potenz nicht ankommt. Wann hat man je einen jüngeren Mann vom Schwabbelbauch seiner älteren Geliebten schwärmen hören?“ In der Tat – eher selten.
ALEXANDER J. WAHL


NEUMARKTER TAGBLATT 22.02.2005

„Moderne Zeiten: Eifersucht per Faxgerät“
Drei Frauen konkurrieren um den gleichen Mann, den am Ende eh keiner mehr haben will

Erst tut er es mit Helen, dann tut er es mit Yana, am Schluss tut er es mit Iris. Was? Lazlo verlässt sie. Klar, Sex hat er auch mit den drei Frauen, aber das ist nicht so wichtig. Denn es geht in dem am Samstagabend vom Nürnberger Spin-off-Theater in der Kulturfabrik gezeigten Stück „EiferSucht“ von Esther Vilar nicht um den triebgesteuerten Mann, sondern um seine drei Frauen.
Sie tragen – obwohl sie im gleichen Hochhaus wohnen – mit Hilfe ihrer Faxgeräte einen bemerkenswerten Kampf aus, der aus Lazlo am Ende eine wertlose Trophäe macht. Bei dem Iris neben Lazlo auch ihren Glauben verliert. Ein Kampf, der aus Eifersucht ein Gefühl macht, auf das Helen nicht mehr verzichten will.

Aufzug wird zur Liebesfalle

Aufschlag hat Yana. Die 39-jährige Architektin – lasziv gekleidet mit kurzen Röcken und roten Strümpfen ist mit Lazlo (55) im Aufzug stecken geblieben und hat sich bei der Gelegenheit unsterblich in den Mann mit Schmerbauch, der „überhaupt nicht ihr Typ ist“, verliebt. Und das teilt sie dessen Frau Helen (49) mit. Nicht Auge in Auge, sondern modern und zweckmäßig per Fax.
Und als die Anwältin in dubio pro reo für die Treue ihres Mannes eintritt – „Sollte er mir in 18 Ehejahren untreu gewesen sein, so ist es ihm nicht nachzuweisen gewesen“ – liefert Yana einen gnadenlosen Beweis. Sie überlässt der Rivalin einen Generalschlüssel für die Versorgungsgänge des Hochhauses und damit die Möglichkeit, das junge Glück beim Liebesspiel zu beobachten. Helen zeigt am Anfang Größe und stellt Lazlos komplette Garderobe vor Yanas Penthouse, zerbricht aber fast an der Situation. Sie trinkt, schluckt Schlaftabletten und Muttermacher im Wechsel und kann nicht Aufhören, ihren Mann und Yana beim Liebesspiel zu beobachten. „Wenn wir verlassen werden, fühlen wir uns so lange nicht mehr begehrenswert, bis wir wieder jemanden gefunden haben“, beschließt sie den ersten Akt.
Heilt die Zeit alle Wunden? Bei Helen ist es vor allem die Genugtuung, dass es bei Yana und Lazlo „ruhig geworden ist im Schlafzimmer“. Und aus der Genugtuung wird Triumph, als Lazlo Yana verlässt – denn seine angeblichen Besuche bei einem Yogalehrer entpuppen sich, beobachtet von Helen, als Schäferstündchen mit der 29-jährigen naiven Indologiestudentin Iris. Und wahrscheinlich ist es nicht nur die Trauer der Rivalin, die Helen in Hochstimmung versetzt, sondern auch die Vorahnung des Sieges: Denn Helen weiß natürlich spätestens jetzt, dass Lazlo auch diese jungen Spielzeugs schnell überdrüssig werden wird und – wie sollte es anders sein – zu ihr zurückkehrt. Als es soweit ist, rettet der Generalschlüssel das Leben von Iris, die neben der Liebe auch den Glauben verloren hat: Helen ich wollte ich wäre tot“, schreibt sie in einem furiosem Finale in ihrem letzten Fax.


Furiose Finale, tolle Darsteller

Also ein echtes Happy End? Mitnichten. Denn für Helen ist Lazlo nur noch eine Trophäe, „bei der 90 Prozent von dem, was man begehrt hat, hineinfantasiert war“. Darunter Leiden darf Yana, die Helens Freundschaft sucht und auch bekommt: Unter der Bedingung, dass sie deren Sucht nach der Eifersucht befriedigt: „Ich muss es noch einmal erleben, wie er in den Armen einer anderen Frau liegt. Werden Sie das für mich tun, Yana?“ Mit dieser unbeantworteten Frage beenden die Hervorragenden Darstellerinnen Ursula Hähner, Britta Papenberg und Maria-Theresia Rupp ein furioses Finale. Das und die schauspielerische Leistung des Trios machen wett, dass der erste Teil des Stücks etwas unter den zum Teil sehr kurzen Episoden und den im Verhältnis dazu sehr langen Faypausen – symbolisiert durch Dunkelheit, Musik und Faxgeräusch – leidet und erst am Ende richtig Fahrt aufnimmt.
MARKUS RAHT , Berching